Kennt Ihr das? Den ganzen Tag rattert es im Kopf, fast alles, was Ihr seht, kommentiert oder beschreibt Ihr im Geist.
Oder Ihr denkt über vergangene oder zukünftige Dinge nach wie:
"Oh, der hat aber etwas dicht an den Gleisen gepark.", "Ein Zitronenfalter, wie hübsch.", "Da ist ja die Sabine. Ob das mit der neuen Katze wohl gut gegangen ist?" "Heute muss ich noch das Schreiben raus schicken" oder "Die Blume braucht auch dringend Wasser".
Selten ist es im Kopf ganz ruhig, oder wie ist das bei Euch?
Ich habe bei einer Busfahrt für mich ein neues Experiment entdeckt. Immer wenn wieder ein Gedanke kam mit dem ich das, was ich gesehen habe, kommentiert oder beschrieben habe, habe ich den Gedanken mit einem "Hm" gestoppt. Das "Hm" bedeutete so etwas wie ein zustimmendes "Ja, ich sehe es."
Nach ein wenig Übung habe ich es geschafft, die Welt zu betrachten, ohne in Gedanken über das zu sprechen, was ich sehe. Und ich habe gemerkt, dass ich dadurch einfach nur da bin, die Dinge wahrnehme, ohne zu bewerten, ohne Gefühle wie Freude oder Ärger. Ich kann die Umwelt auch nur über das Sehen wahrnehmen.
Ich habe mir dabei vorgestellt, dass meine Seele stumm aus meinen Augen heraus die Welt entdeckt. So als säße sie etwas hinter meinem Kopf und schaut durch meine Augen hinaus.
Schwierig wurde es nur bei geschrieben Worten wie Laden- oder Verkehrsschildern. Die hat mein Geist sofort vorgelesen. Mittlerweile geht das aber auch, einfach nur das Wort wahrzunehmen, so als wäre es in russisch oder chinesisch geschrieben.
Besonders lustig wurde es, als ich nach Hause kam und nicht mit gewohnt flötender Stimme sondern schweigend meine Katzen begrüsst habe.
Das ist ein total spannendes Gefühl, denn ich rede und denke sehr gerne und viel. Es hat mir innere Ruhe und neue Erfahrungen gebracht.
Nun konnte ich erfahren, was es heisst "im hier und jetzt zu sein". Und nun mache ich das immer öfter und genieße die innere Stille.
Danach habe ich es dann versucht, ein Buch zu lesen, ohne mir die Wörter wie eine Geschichte vorzulesen. Auch das funktioniert. Ich kriege den wesentlichen Inhalt mit, wenn ich quasi Zeile für Zeile schnell scanne. Auch hier das Erlebnis, dass ich dabei den Inhalt wahrnehme, aber sich nicht so viel Gefühle entwickeln. Ob ich so aber z.B. Inhalte lernen kann, weiss ich noch nicht. Das werde ich noch mal testen.
Vielleicht habt Ihr Lust, es auch auszuprobieren oder habt von anderen interessanten geistige Experimente zu berichten.
P.S. Heute habe ich auf der Straße eine Frau gesehen, die alleine vor sich hin sprach und wild gestikulierte, als würde sie mit jemandem reden. Da fiel mir auf, wie schön es doch ist, wenn man die Ruhe herstellen und genießen kann, denn es ist für einen selber auch anstrengend, wenn man innerlich so angespannt ist, dass einem ständig Gedanken durch den Kopf flitzen oder man ein vergangenes oder vor sich liegendes Gespräch immer wieder im Geiste durchgeht.
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