Ich gebe es zu. Ich saß jahrelang abends vom Fernseher und habe gedacht, dass ich mich dabei entspannen kann, wenn ich einen anstrengenden Arbeitstag hatte.
Aber im Moment bezweifle ich, dass wahre Entspannung beim Fernsehen möglich ist. Ich muss mich zwar nicht konzentrieren oder über komplizierte Dinge nachdenken, aber bei den vielen ... Sendungen, die es momentan gibt, kam immer mehr Ärger in mir hoch über das, was da gezeigt wird. Sendung mit offensichtlich negativen oder brutalen Inhalten habe ich schon lange gemieden. Die gab es schon immer, werden aber auch immer mehr, so dass es kaum noch ein Entkommen gibt.
Doch dann wurden sie geboren, diverse Serien, in denen alltägliche Streitigkeiten insbesondere in Familien nachgestellt werden aber als echt verkauft werden oder Menschen bei der Partnersuche (Bauer sucht Frau, Schwiegermutter gesucht) oder Streitigkeiten gefilmt werden, schwer erziehbare Kinder, Eltern mit Problemen mit ihren Kindern, Frauen aus unterschiedlichen Schichten tauschen für eine Woche ihr Heim, Casting-Shows in denen man sich über die Kandidaten lustig macht und und und.
Eine Zeitlang habe ich das auch geguckt, wenn nichts "besseres" kam. Allerdings habe ich gemerkt, dass ich mich immer mehr aufgeregt habe. Entweder über die putzigen Menschen, die frechen Kinder oder darüber, dass einige Sendungen Fälle als reale Geschehnisse darstellen, das alles aber nur gespielt ist.
Da hab ich mich dann nach der Sinnhaftigkeit gefragt und fing an, nach und nach auf "heile Welt-Filme" umzusteigen, Rosamunde Pilcher beispielsweise. Da war eine Ruhe und ein Frieden in mir. Schöne Landschaften, nette Menschen und eine Liebesgeschichte. Doch die werden leider immer weniger.
Dann waren Dokumentationen dran BBC exclusiv, NTV oder 3Sat. Das ist zwar noch immer sinnvoller verbrachte Zeit, aber auch keine Entspannung. Denn bei ner Doku nicht zuzuhören und die Hälfte nicht mitzukriegen macht keinen Sinn.
Jetzt habe ich endlich den Absprung geschafft und mache immer öfter sinnvollere Dinge. Ich lese, mache Musik oder lege mich entspannt auf meine Massageliege und höre Musik oder eine geführte Meditation. Die Entspannung ist kein Vergleich zu der vermeindlichen Fernseh-Entspannung.
Aber wenn ich nicht achtsam bin nach einem stressigen Tag, dann lande ich doch schnell wieder vorm Fernseher. Aber wenn nichts interessantes kommt, gehe ich schnell zu einer anderen Beschäftigung über. Irgendwie sind die gewohnten Pfade doch wieder schnell genommen und etwas anderes zu tun erfordert noch Konzentration und erhöhte Achtsamkeit.
Ich hoffe, es bleibt auch so. Denn die Zeit, die ich neben dem Beruf habe, ist eigentlich zu wertvoll und ich habe noch so viele Dinge, die ich machen will, dass ich nicht länger Sklave meines Fernsehers sein will.
So. Ich wünsche mir gutes Gelingen.
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