Je nach Persönlichkeit und Intensität erlebst Du vielleicht den einen oder anderen hier beschriebenen Zustand: Du könntest heulen. Du fühlst Dich einsam. Du bis total lustlos und hängst den ganzen Tag nur ab und ärgerst Dich am Tagesende, dass der Tag so sinnlos verstrichen ist. Du bist total wütend und kommst da nicht mehr raus und ärgerst Dich über Dich selber weil Du so wütend bist. Deine Gedanken kreisen immer nur um ein Thema, was Dich total aufregt. Du bist verunsichert oder seid überfordert und magst keine Entscheidung treffen.
Und was machst Du dann, um da wieder raus zu kommen? Nichts? Den Tag lang traurig oder muffelig sein oder warten, da die Welt vermutlich morgen wieder besser aussieht? Eine Freundin nach der anderen anrufen und ihr Dein Leid klagen, so dass sie entweder abschaltet oder danach auch schlecht drauf ist?
In solchen Phasen ist es oft schwierig, da wieder raus zu kommen, sich aufzuraffen, etwas zu ändern. Und mal ehlich - manchmal braucht man das auch, einfach so abzuhängen oder mal traurig zu sein. Da merkt man dann, dass doch nicht alles so toll ist, wie man sich allgemein einredet und dass es da noch einiges gibt, was man im Leben noch ändern will oder sollte.
Nun, dieser Zustand, in dem Du bist ist ein Zustand mit zu wenig Energie (Ach nee, hättest Du nicht gedacht, was?). Das Positive an der Erkenntnis ist, dass, wenn man so schnell in einen Zustand mit zu wenig Energie kommen kann, man das auch schnell in die andere Richtung ändern kann - oft ohne großen Aufwand.
Mein Tipp: Überlege Dir vorher, was Du tun kannst, wenn Du in so einem Zustand bist. Leg Dich einen Werkzeugkasten zurecht, aus dem Du Dich bedienen kannst. Dort können Werkzeuge drin sein, die einfach und ohne Aufwand zu benutzen sind, aber auch welche, die etwas mehr Anstrengung benötigen - ganz wie Du es brauchst.
Überleg Dir, was in Dir ein Wohlgefühl, ein Gefühl der Geborgenheit oder unbändiger Freude hervorruft, sobald Du daran denkst oder es tust.
Ich empfehle Dir, auch ein paar einfache Dinge mit aufzunehmen, die verschiedene Sinne ansprechen und die Dein Energielevel automatisch anheben.
Hier ein paar Beispiele für einen Werkzeugkasten
- Ein schöner Duft, der Dich positiv stimmt. Sei es ein Parfum, ein Duftöl, Räucherstäbchen, frisches Gras, Erde oder was auch immer in Dir positive Gefühle und eine Erinnerung an ein positives Ereignis hervorruft.
- Musik, die Dich zum Träumen, Singen oder zum Tanzen einlädt. Musik bewirkt oft Wunder, ohne dass wir groß etwas dafür tun müssen. Du solltest vermeiden, Musik auszusuchen, die Dich an traurige oder sehnsüchtige Dinge erinnert - außer Du willst einmal so richtig durch die Traurigkeit durch. Hier meine Lieblings-Meditations-CDs.
- Ein inspirierendes Hörbuch z.B. über Glück und Lebensfreude oder mit einer schönen Geschichte. Ich liebe z.B. 12 Engel für das Jahr von Anselm Grün oder "Einfach glücklich sein" von Pierre Franck. Hier meine Rezensionen dazu.
- Bachblüten wie z.B. die Notfalltropfen. Mir haben die schon oft aus wütenden Situationen geholfen. Zuerst war ich wütend, erzählte noch jemandem davon und mitten im Gespräch merkte ich, wie die Wut nur noch eine Geschichte ohne Emotion war und musste über meinen vorherigen Zustand lachen, in dem es nichts Wichtigeres gab als die Wut bzw. die "auslösende Situation".
- Wenn Du Musik machst, dann ist das auch eine gute Möglichkeit. Schnapp Dir Dein Instrument und Spiele oder Singe, was Dir sonst Spaß macht. Bei schöner Musik ist es schwer, schlecht drauf zu sein. Vielleicht brauchst Du aber auch traurige, sehnsuchtsvolle Musik, um schneller durch den Zustand durchzutauchen.
- Ein Spaziergang, bei dem Du versuchst, Deine Umgebung neu zu entdecken und ungewohnte Blickwinkel einzunehmen. Der Spaziergang soll Dich möglichst von Deinen Kreisgedanken ablenken. Vielleicht nimmst Du Deinen Fotoapparat mit und fotografierst aus ungewöhnlichen Blickwinkeln z.B. ein einzelnes Blatt in Großaufnahme, ein Blick vom Boden aus über ein Feld, Klingelknöpfe, Fensterbänke, Gullideckel oder was Dir so einfällt und Dich dazu einlädt, die Welt anders zu betrachten.
- Körperübungen wie Yoga, Bioenergetik, Tanzen, Gymnastik oder Deine Lieblingssportart.
- Schau Dich lange im Spiegel an. Vielleicht schneidest Du Dir dabei doofe Grimassen als wolltest Du Deine Gefühle am Spiegelbild auslassen. Das kann dazu führen, dass Du irgendwann lachen musst über das Elend, was Dich im Spiegel ansieht und Dich aufraffst, was zu ändern.
- Ruheübungen wie Atemübungen, Meditation, Progressive Muskelentspannung
- Leg Dich Schlafen, kuschel Dich ein, nimm Dein Stofftier in den Arm und gib Dich Deiner Situation hin. Das ist manchmal besser als einfach nur so abzuhängen.
- Schreib Dir einen Brief. Je nach dem, was Dir hilft, schreibe einen Brief, in dem Du gut mit Dir sprichst, Dir deutlich machst, was an Dir und Deinem Leben toll ist und Dir Mut macht oder schreibe einen Brief, mit dem Du Dich in den Hinter trittst oder Dich über Dein selbst kreiertes emotionales "Elend" lustig machst. Ich selber arbeite gerne mit ironischen Elementen, die mich und zum Lachen über mich selber anregen. Diesen Brief kannst Du dann lesen, wenn es Dir schlecht geht. Er wird sicherlich etwas in Dir auslösen und eine Veränderung bewirken.
Wie gesagt, bau Dir Deinen eigenen Werkzeugkasten mit etwas, was Dir helfen kann. Vielleicht schreibst Du die Werkzeuge auf einen kleinen Zettel und bewahrst sie in einer Box oder einem Säckchen auf, was Du an einen sichtbaren Platz tust.
Vielleicht tust Du die Gegenstände, die Dir helfen können auch direkt dort rein. Das Parfum, die Bachblüten, Noten, eine CD, ein Stofftier zum Knuddeln.
Und wenn es Dir schlecht geht, ziehst Du einen Zettel oder schaust Dir durch, was Du machen willst oder erinnerst Dich einfach nur daran, welche Werkzeuge Du im Kasten hast.
Mit der Zeit wirst Du feststellen, welche Werkzeuge effektiv sind und welche nur in postiven Zuständen sinnvoll erschienen, zu denen Du Dich aber nicht aufraffen kannst, wenn es Dir schlecht geht.
Wenn Du magst, berichte doch mal, was Deine effektivsten Werkzeuge sind.
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